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Serie: Guter Reisefilm – Teil 4: Schritte zum fertigen Reisefilm

Autor Info's mit anzeigen Februar 28th, 2012

Wir haben nun alles zusammen, was wir für einen guten Reisefilm brauchen. Ich habe in den Teilen zuvor beschrieben, was ich beim Filmen beachten muss, wie ich Aufnahmen zu einem Film zusammenstellen kann, indem ich kürze und unnötiges weglasse. Ich habe beschrieben, wie ich einen Film durch Schnitt interessant machen kann, ich habe auch beschrieben, wie ich Kommentar, Geräusche und Musik hinzufüge, jetzt muss ich daraus nur den fertigen Film machen und das möchte ich in diesem 4. und letzten Teil beschreiben.

Zusammenbauen

Welches Schnittprogramm ich für meinen Reisefilm nun benutze, ist ziemlich egal, denn die meisten Programme bieten mir die grundlegenden Möglichkeiten, die ich hier brauche. Zunächst tue ich alle Aufnahmen, die ich habe in meinen "Bin", das ist die Liste der Aufnahmen in meinem Projekt. Hier tue ich bereits die erste Sortierung durchführen: Ich lösche alle Aufnahmen, die ich nicht brauchen werde, also die verwackelt sind oder einfach zu schlechte Qualität haben. Im zweiten Schritt wähle ich die brauchbaren Aufnahmen aus und schneide sie auf eine brauchbare Länge, d.h. ich bestimme einen Start und einen Endpunkt bei jeder Aufnahme.

Nachdem ich mir für meinen Film die entsprechende Geschichte, die ich erzählen will, zurechtgelegt habe, lege ich alle Aufnahmen in der Reihenfolge, die ich haben möchte, auf meine Timeline. Vorne und hinten tue ich jeweils noch schwarz rein und lasse Platz für einen Titel. Dann baue ich den Film so zusammen, dass die Aufnahmen alle hintereinander passen, manchmal nehme ich auch eine Überblendung, wenn ich keine guten Übergänge zwischen den einzelnen Sequenzen habe. Dann schaue ich mir die Tonkulisse meiner Aufnahmen an und bereinige, d.h. manchen Originalton muss ich leiser, manchen aber auch lauter machen, dass ich eine durchgängige saubere und keine sprunghafte Tonkulisse habe. Oft verwende ich auch noch Tonüberblendungen, damit ich Tonsprünge abmildere. Passt ein Geräusch gar nicht, suche ich ein anderes besseres passendes Geräusch aus einer anderen Aufnahme und ersetze den Originalton. Manchmal lasse ich auch den Ton von einer Aufnahme über mehrere folgende Aufnahmen weiterlaufen. Dann kommt Kommentar und Musik, die ich entsprechend auf zwei weiteren Audiospuren platziere und anpasse. Auch hier muss die Lautstärke so angepasst werden, dass der Gesamtton eine Einheit ergibt und der Kommentar nicht zu leise, sondern klar und verständlich ist. Die Gesamtmischung muss ich evtl. auch noch anpassen, da keinesfalls Übersteuerungen auftreten dürfen.

Nun ist mein Film fertig zusammengebaut.

Ausgeben

Als erstes muss ich die Entscheidung treffen, wie ich den Film vorführen oder weitergeben möchte. Die meisten Programme bieten eine DVD Erstellung an und das ist auch die häufigste Ausgabeart. Hier muss ich noch zusätzlich entscheiden, ob ich ein Menü für die DVD und evtl. auch noch eine Hülle gestalten will. Möchte ich die DVD an Familienmitglieder, Bekannte oder Mitreisende verteilen, dann sollte ich das auf jeden Fall machen. Ein Menü muss nicht sein, wenn ich nur den Film auf DVD brennen will, aber manche Autoren machen sich da gerade viel Mühe, damit der Inhalt der DVD auch "professionell" aussieht. Habe ich vielleicht auch noch einen Trailer oder ein Making of von meinem Film gemacht, oder besteht das Endergebnis aus mehreren Filmen, dann sollte ich auf jeden Fall ein Menü gestalten.

Werde ich den Film zuhause auf dem Fernseher oder über meinen Mediaplayer vorführen, dann kann ich einfach aus dem Endergebnis eine Datei exportieren, entweder im MPG oder MOV oder sonstigen Formaten, die mein Fernseher bzw. Mediaplayer unterstützt. Ist mein Film hochauflösend und habe ich auch einen hochauflösenden LCD Fernseher oder Beamer, dann sollte ich den Film auf jeden Fall auch hochauflösend ausgeben. Ich mache das am Liebsten in dem Format, wie der Film im Original ist.

Was ist nun mit BluRay? Klar kann ich meinen Film, wenn ich hochauflösend gedreht habe auch eine BluRay erstellen, dazu brauche ich natürlich den entsprechenden Brenner und Brennsoftware. Allerdings muss ich dann parallel sicher auch eine DVD erstellen, da noch nicht in jedem Haushalt auch ein BlueRay Abspieler vorhanden ist. Das macht die Sache komplizierter und ich muss dann auch noch jeweils fragen, wer was haben möchte. Die heutigen LCD Bildschirme sind allerdings so gut bei DVDs, dass eben oft ein einheitliches DVD Format genügt.

Vorführen

Schließlich und endlich geht es dann an die Vorführung bzw. Premiere des Films. Auch hier bleibt die Frage nach dem Vorführformat. Ich muss wissen, was dort, wo der Film vorgeführt werden soll, wiedergegeben werden kann. DVD ist in allermeisten Fällen vorhanden, BluRay seltener und bei MediaPlayern kann ich den Film auf Stick mitnehmen. Bei der Vorführung kann ich nur empfehlen, dass der Raum möglichst verdunkelt wird, damit Dein Film auch die entsprechende Aufmerksamkeit genießt. Schraubt die Erwartungen nicht zu hoch, dann kann es durchaus ein böses Erwachen geben, denn die Zuschauer sind immer vom Fernsehen vorbelastet.

Damit sind wir beim Ende dieser Serie über den guten Reisefilm angekommen und ich hoffe, jeder von Euch hat das, was ich hier geschrieben habe, schon auspobieren können oder kann es demnächst bei der nächsten Urlaubsreise ausprobieren. Ich wünsche Dir viel Spaß bei der nächsten Reisedokumentation.

 

Serie: Guter Reisefilm – Teil 3: Nicht nur filmen, auch nachbearbeiten

Autor Info's mit anzeigen Februar 24th, 2012

Der dritte Teil der Serie "Was ist ein guter Reisefilm" beschäftigt sich mit der Nachbearbeitung. Die Statistiken besagen, dass 90% der gedrehten Aufnahmen im Urlaub in den Schrank wandern und höchstens einmal kurz nach der Reise angeschaut werden. Warum eigentlich? Das Nachbearbeiten von Aufnahmen, damit daraus ein fertiger Film entsteht, ist nicht so schwierig wie viele Leute denken. Früher hat man eine große Anzahl an verschiedenen Geräten benötigt, heute genügt neben der Kamera ein Laptop und ein Nachbearbeitungsprogramm und schon kann ich loslegen. Hier will ich Euch einige Tipps verraten, damit das Ergebnis auch entsprechend ansehlich wird.

Aus dem Urlaub zurück, lasse ich die Aufnahmen am besten etwas liegen. Warum? Je lebhafter die Erinnerung kurz nach dem Urlaub ist, desto schwerer tue ich mich mit weglassen von Aufnahmen. Einige Monate später ist die Erinnerung verblasst, es bleiben nur wichtigere Ereignisse aus dem Urlaub haften und ich kann meinen Film wesentlich kürzer und interessanter gestalten. Meinen Zuschauern geht es nämlich gleich, was mir nach Monaten nicht mehr interessant erscheint, ist auch nicht für meine Zuschauer interessant.

Das Nachbearbeiten von gedrehten Aufnahmen besteht im Prinzip aus den folgenden Schritten:

  1. Zu lange Szenen kürzen
  2. Uninteressante Szenen weglassen
  3. Die Aufnahmen in eine filmische Ordnung bringen
  4. Durch Feinschnitt fertigstellen
  5. Kommentar hinzufügen
  6. Live Geräusche anpassen und zusätzliche Geräusche einspielen
  7. Musik auswählen und für den Film entsprechen anpassen
  8. Titel gestalten und in den Film einfügen (4. Teil)
  9. Film zusammenbauen, fertig stellen und ausgeben (4. Teil)

Nachdem ich alle diese Punkte erledigt habe, sollte ich einen fertig geschnitten und vertonten Reisefilm haben, den hoffentlich alle Beteiligten interessant finden und den ich auch weiteren Zuschauerkreisen zeigen kann.

Schnitt

Die ersten 4 der oben aufgeführten Punkte gehören alle zum allgemeinen Thema Schnitt.

Was ich nicht habe, das kann ich noch mit Schnitt wettmachen. Das gilt nur bedingt. Im Spielfilm kann man mit schnellem Schnitt einige Unzulänglichkeiten kaschieren, bei der Reisedokumentation gilt das eher für den Kommentar, da kommen wir noch dazu. Beim Schnitt gilt, je ruhiger die Szenerie, desto ruhiger sollte der Film durch längere Schnittfolgen das unterstützen. Je hektischer das Geschehen, desto kürzer kann ich schneiden, um die Hektik noch mehr zu verdeutlichen. Bin ich in einem Schlosspark, wo ausser einigen Figuren und Fontänen nichts ist, hat es keinen Sinn einen Sekundenrhythmus schneiden zu wollen. Hier sind 4-6 Sekunden eher geeignet. Aber eine ruhige Aufnahme, in der sonst nichts passiert, sollte ich auch nicht länger stehen lassen. Nur wenn ich einen Schwenk mache oder vom Objekt wegzoome, sollte ich das auch beenden und nicht mitten drin schneiden und dann vielleicht noch auf eine ruhige Aufnahme. Filme ich dagegen auf einem orientalischen Markt, wo Hektik pur herrscht, Marktschreier sich gegenseitig übertönen, dann kann ich zu 1-2 Sekunden Schnittrythmus durchaus gehen, denn ich werde damit die Hektik noch unterstreichen. Dann kann ich auf problemlos aus der Hand ohne Unterstützung drehen, denn die Wackler wird der Zuschauer hier nicht merken.

Damit ist also klar, was ich mit Szenen kürzen meine. Uninteressante Szenen weglassen ist da auch schon beinhaltet, heisst allerdings nicht nur verwackelte oder sonst unbrauchbare Szenen weglassen, sondern auch alle Szenen, die nicht zum Geschehen passen oder die Reisedokumentation nichts vorwärtsbringen. Filmische Ordnung heisst für mich, dass ich die Szenen nicht in gedrehte Reihenfolge bringe, sondern dass ich die Szenen so hintereinander montiere, dass es filmisch Sinn ergibt. Der letzte der erwähnten Punkte erfolgt sehr häufig erst nach dem Einfügen von Kommentar und Musik, da sich dadurch oft noch Szenen ändern. Du solltest aber schon beim Grobschnitt überlegen, was Du später im Kommentar dazu sagen möchtest, damit Du beim Feinschnitt nicht nochmals alles umwerfen musst.

Kommentar

Ein Kommentar sollte nicht wegen des Kommentar willens sein. Er sollte auch nicht die Bilder beschreiben, sondern sollte ergänzende Informationen zur Reisesdokumentation bringen. Das können einmal kurze Geschichten zum Ort des Geschehens sein oder die Geschiche einer Stadt nochmals verdeutlichen oder zusätzliche Informationen, die nicht im Bild zu sehen sind. Ein großes Problem im Kommentar sind immer wieder Jahreszahl und Maße. Das menschliche Gedächtnis kann sich immer nur eine bestimmte Menge an solchen Informationen merken, ich sollte den Zuschauer damit also nicht überfrachten. Bloße Aufzählung von Jahreszahlen sorgt bei Zuschauern immer für ein Gähnen, viel besser ist es hier die Jahreszahlen in einen geschichtlichen Vergleich zu bringen. Filme ich eine Kirche, die aus dem 15. Jahrhundert stammt, dann macht es keinen Sinn im Kommentar zu sagen: "Mit dem Kirchenbau wurde am 1. Juli 1475 begonnen und der Bau wurde am 31. Dezember 1515 fertig", denn das kann sich keiner merken. Es genügt vollkommen zu sagen: "die Kirche stammt  aus dem Mittelalter" oder "aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Bei Maßangaben ist es ähnlich. Bei der Größe ist immer ein guter Vergleich die Größe eines Fußballfeldes, denn das können sich viele Menschen gut vorstellen.

Da mein Reisefilm meine Eindrücke schildert, spreche ich den Kommentar immer selber. Natürlich kann man den Kommentar einem professionellen Sprecher schicken, der das viel besser machen kann, aber da kommt es mir viel mehr darauf an, dass meine persönliche Note des Films auch durch den Kommentar unterstützt wird. Was man auf jeden Fall machen sollte, ist die Investition in ein gutes Mikrofon. Das muss nicht gleich hunderte Euro kosten, aber ein 10 Euro Mikro macht Deine Stimme nicht gerade besser. Vieles kann man dann auch noch nachbearbeiten. Da meine Stimme immer viel zu dunkel ist, tue ich sie nachträglich in einem Soundprogramm nachbearbeiten, indem ich die Höhen etwas anhebe und die Bässe absenke. Aussedem schneide ich dann den Kommentar zurecht. Bei der Kommentaraufnahme solltest Du nicht glauben, dass Du das frei Schnauze aufnehmen kannst. Ein Kommentar muss vorher aufgeschrieben werden. Aber bitte nicht wie einen Artikel schreiben, sondern die geschriebenen Sätze immer wieder vorsprechen, sie müssen sprechbar sein und zwar für die eigene Stimme und Person. Natürlich versprichst Du Dich während des Kommentars. Ich mache das so: Wenn ich mich dreimal hintereinander bei der gleichen Stelle verspreche, schreibe ich den Satz um, um mein Unvermögen, diesen Satz zu sprechen, zu kaschieren. Einige Leute sprechen durchgehend und schneiden dann die Versprecher aus. Ich spreche immer nur einen Satz, die Sätze habe ich auch durchnummeriert, dann habe ich auch gleich einen Dateinamen.

Noch ein wichtiger Tipp: Ich schreibe immer grundsätzlich mehr Kommentar als eigentlich nötig ist. Dann habe ich später beim Einpassen des Kommentars in den Film immer noch die Möglichkeit einer Auswahl, falls ein Satz nicht zum Bild passt. Ist der Satz zu lang, dann schneide ich auch oft ab, so dass man das aber natürlich nicht merkt. Oft schneide ich auch die Sprechpausen weg, damit ich besser einpassen kann. Ein anderer Trick ist es natürlich die Aufnahme zu verlängern, falls möglich, oder den Kommentar 1 oder 2% schneller laufen zu lassen. bis zu 5% merkt der Zuschauer nicht, dass der Kommentar schneller läuft.

Geräusche

Im Normalfall sind die Geräusche die Live Atmosphäre, die beim Filmen eingefangen wird. Deshalb denkst Du jetzt wahrscheinlich, was soll ich mit Geräuschen, die sind ja schon drauf. Das stimmt nur bedingt. Oft ist es so, dass zwar die Atmosphäre drauf ist, mit allen Geräuschen, allerdings oft die Falsche. Die Kamera fängt ja nicht nur Geräusche vor der Kamera, sondern oft auch hinter der Kamera ein. Das ist z.B. ein vorbeifahrendes Auto, dass man im Bild aber gar nicht sieht. In diesem Fall ist das Geräusch im Film eher störend, als dem Film zuträglich. Was soll ich also machen? Ich renne ja beim Filmen nicht auch noch mit einem externen Aufnahmegerät für Ton rum. Oft ist es so, dass die Geräusche einer Szene nicht szenenrelevant sind, ich sie also ersetzen kann oder auch an anderen Stellen verwenden kann. Bei der Nachbearbeitung muss ich da einfach Bild und Ton trennen und den Ton wegnehmen. Da es allerdings eine Stille nicht gibt, brauche ich ein anderes Geräusch, dass ich vielfach von einer anderen Szene nehmen kann. Oft ist es auch so, dass eine Verkürzung einer Szene filmisch ok ist, ich kann aber den Ton durchaus weiterverwenden für die nächste Szene. Bei einer allgemeinen Stadtgeräuschkulisse kann ich das durchaus öfter anwenden, so das die Geräusche zu einer anderen Szene passen. Dann ist es vielfach so, dass die Geräusche eine sehr unterschiedliche Lautstärke haben. Dem kann ich begegnen, indem ich die laute Geräuschkulisse an die leisere der Szene vorher oder nachher anpasse. Damit keine Tonsprünge entstehen, kann ich mir auch behelfen, ich kann den Ton auch überblenden, um solche Sprünge im Ton wegzunehmen und damit vom Ton her, den Film flüssiger zu machen.

Musik

Möchte ich die Aussage der Bilder verstärken, so werde ich mir überlegen, passende Musik zu unterlegen. Passend kann heissen, dem Land oder dem Ort entsprechend, z.B. wenn Paris oder Frankreich das Thema ist, dass ich dann entsprechende französische Musik verwende. Bei Prag muss es aber nicht unbedingt die Moldau von Smetana sein, ebenso wenig wie "In München steht ein Hofbräuhaus", wenn es um München geht. Ein wichtiger Tipp: Es sollte möglichst Instrumentalmusik sein und sie sollte nicht unbedingt zu bekannt sein. Problematisch kann es bei bekannter Filmmusik sein, da diese automatisch mit dem Film, aus dem sie stammt, assoziiert wird. Dann gibt es natürlich noch das GEMA Problem. Will ich den Film auch ausserhalb meines Familienkreises, also öffentlich, dann sollte ich am Besten GEMAfreie Musik verwenden, sonst kann ich durchaus Probleme bekommen. Im Internet findet man unter diesem Stichwort viele Links zu guter Instrumentalmusik, die GEMAfrei ist.

Damit habe ich die wichtigsten Aspekte beim Nachbearbeiten eines Reisefilms abgedeckt. Jetzt brauchen wir noch einen Titel und das Ganze muss zum fertigen Film zusammengebaut und ausgegeben werden. Dazu abschließend im vierten Teil meiner Serie "Guter Reisefilm".

Serie: Guter Reisefilm – Teil 2: Die komplette Reisedokumentation

Autor Info's mit anzeigen Februar 24th, 2012

Im zweiten Teil meiner Serie über den guten Reisefilm erkläre ich Euch, wie Ihr eine komplette Reisedokumentation so erstellen könnt, dass neben Familie und Mitreisendden, auch Zuschauer, die bei Deiner Reise nicht dabei waren, es interessant finden. Was heisst aber komplette Reisedokumentation? Im Gegensatz zum ersten Teil, wo ich erklärt habe, wie Du Einzelaspekte einer Reise zu einem interessanten Film zusammenstellt, will ich hier erklären, wie Du eine komplette Reise dokumentieren kannst, also sozusagen vom Start weg, bis zu einem interessanten Schluss.

Als Erstes müssen wir uns fragen, für wen eine solche komplette Dokumentation sein soll. Ist es ausschließlich nur die Familie und die Mitreisenden oder auch andere Personenkreise, die nicht dabei waren und es trotzdem interessant finden sollen? Ist es nur für Familie und Mitreisende, dann sollte die Reisedokumentation auch chronologisch sein, denn sonst werden sich die Beteiligten bei der Reisedokumentation möglicherweise nicht wiedererkennen. Chronologisch heisst in diesem Fall, die Dokumentation beinhaltet die Tage und die Stätten, die Du besucht hast, in der Reihefolge in der es auch wirklich war. Das kann natürlich sein, dass damit Höhepunkte, sowohl filmisch als auch reisetechnisch nicht richtig gesetzt sind, aber die Zuschauer werden zufrieden sein, weil sie die Reise nachvollziehen können. Ist die Reisedokumentation für ein größeres Publikum gedacht, die bei der Reise nicht dabei waren und damit auch nicht wissen, wie genau die Reise abgelaufen ist, kann man natürlich, und solltest Du auch, zu dem Trick greifen, dass Du die Dokumentation so gestaltest, dass es sowohl dramaturgisch als auch reisetechnisch einen interessanten Aufbau mit Höhepunkten hat.

Wie gestalte ich den Anfang des Films?

War es eine Busreise, könnte man den Anfang so gestalten, dass die Mitreisenden in den Bus einsteigen und der Bus dann losfährt. Vor dem Losfahren kannst Du noch eine Karte einblenden, die die Reiseeoute aufzeigt. Dafür gibt es spezielle Programme, die das sehr gut können, Du kannst Dir aber auch mit Google Earth oder Google Maps behelfen und die Reiseroute einzeichnen. War es eine Flugreise, so gilt das genau für die Reiseroute. Für die ersten Aufnahmen eignet sich hier natürlich der Abflughafen und anschließend einige Aufnahmen vom Flugzeug und der Ankunft am Ziel. Vorsicht ist hier am Flughafen geboten, bei Sicherheitskontrollen darf man genausowenig filmen, wie bei Passkontrollen und ähnlichen. Aber man könnte z.B. die Familie oder die Reisegruppe beim Einchecken zeigen. Frägt man hier das Bodenpersonal der Fluggesellschaft, haben die meistens nichts dagegen. Aufnahmen der Abflughalle mit dem Hinweisschild zum Ablug oder vom Flugzeug, das Du schon durch das Glasfenster siehst, ist auch ein guter Einstieg. Schau Dir als Beispiel meinen Reisefilm "as unique as you" an, da habe ich auch zum Einstieg am Münchner Flughafen, dann in Dubai und später in Male gefilmt. Insbesondere die Anreise mit dem niedrig fliegendem Wasserflugzeug war natürlich filmisch interessant.

Wie beende ich meine Dokumentation über die Reise?

Im Gegensatz zum Filmanfang, wo Du ins Thema einführen willst, bzw. die Anreise zeigen willst, interessiert niemanden die Rückreise. Auch bei einer kompletten Reisedokumentation kann man am letzten Punkt der Reise aufhören, die Rückreise kann sich jeder dazudenken und ausserdem will keiner sehen, wie alle missmutig schauen, weil der Urlaub zu Ende ist. Ist die Reisedokumentation nun nur die Familie und Mitreisende, werde ich vermutlich am letzten Ort der Reise aufhören. Das weiss ich aber schon im Voraus, also kann ich auch entsprechend vor Ort schon filmische Höhepunkte suchen, damit später mein Film auch interessant zu Ende geht. Bei einer Reisedokumentation für einen größeren Personenkreis sollte ich mein gesamtes Material durchsehen, ob ich etwas finde, was filmisch gut gelungen ist, evtl. auch der interessanteste Punkt der Reise ist und damit einen guten Abschluss bilden kann. Das ist ganz wichtig bei einem Reisefilm, da die Zuschauer sich später oft nur an den Schluss erinnern und Du willst ja, dass sie sich positiv an die Dokumentation erinnern.

Was filme ich während der Reise?

Die Orte ergeben sich natürlich aus der Reiseroute, daran kann ich nichts drehen, ich kann aber, wie wir schon wissen, durchaus die verschiedenen gefilmten Orte und Ereignisse in der Reihenfolge verändern. Bei einer längeren Dokumentation, was meistens eine komplette Reisedokumentation ist, muss ich meinen Film, genauso wie die Reise in Abschnitte unterteilen. Später erkläre ich Euch noch, wie Du dann zu guten Übergängen zwischen den den Abschnitten kommst, zuerst aber zu den einzelnen Abschnitten. Jeden Abschnitt sollte ich entweder mit einer Landkarte beginnen, damit die Zuschauer wissen, wo sie sich gerade befinden, oder mit Übersichtsaufnahmen der Stadt, des Ereignisses usw. Die Zuschauer wollen sich ja schließlich orientieren. Denkt doch an Euch selber während der Reise. Wenn ich in eine neue Stadt komme, dann suche ich auch oft einen Stadtplan, oder schaue in den Stadtplan rein, um mich zu orientieren.

Als Nächstes sollte ich daran denken, jeden Abschnitt für sich interessant zu gestalten. Interesse erzeuge ich aber nicht mit lauter Weitwinkelaufnahmen. Ich muss also nähergehen, um verschiedene Vorgänge in der Stadt oder während eines Ereignisses mal genauer zu beleuchten. Das können Nahaufnahmen von Menschen am Markt sein, oder auch von dem dort ausgestellten Gut. Dann sollte ich darauf achten, dass nicht jeder Abschnitt gleich gestaltet ist, also etwas variieren. Hier hilft es natürlich, dass ich evtl. einzelne Abschnitte in der Reihenfolge umstellen kann, dass nicht alles gleichartig wirkt. Wenn ich also 5 Städte besuche und auch 5 Ausflüge in die Natur mache, dann sollten die Abschnitte abwechselnd sein, mit erst die 5 Städte, spätestens bei der dritten wird es für den Zuschauer langweilig. Genauso ist es, wenn ich 10 Kirchen besuche, nach der dritten Kirche schaltet der Zuschauer ab. Also muss ich von den Abschnitten her und auch innerhalb der Abschnitte immer abwechslungsreich bleiben. Denke daran, was Du während der Reise schon langweilig gefunden hast, wird im Film nicht besser. Bei 10 Kirchen fandest Du vielleicht 3 interessant, also tue auch nur 3 Kirchen in den Film rein.

Ein Abschnitt wird umso interessanter, je mehr Nahaufnahmen ich darin habe, lebt aber auch von der Abwechslung. Habe ich einen Abschnitt (also z.B. eine Stadt) nochmals in einzelne Sequenzen (Rathaus, Marktplatz, Kirche, Einkaufsstrasse) untergliedert, so muss ich hier darauf achten, dass ich von einer zur anderen Sequenz problemlos wechseln kann.

Übergänge

Damit wären wir bei den Übergängen. Innerhalb eines Abschnittes brauche ich sie bei Sequenzübergängen und dann natürlich bei den Wechseln zwischen den verschiedenen Abschnitten. Einfache und auch typische Übergänge sind Ab- und Aufblendung, Musikwechsel, neuer Kommentar usw. Aber wie kann ich einen Übergang auch filmsch gestalten? Eine Möglichkeit wäre das Aufnehmen der gleichen Dinge an verschiedenen Stellen. Wenn ich also einen Abschnitt mit einer Karte beende, könnte ich den nächsten wieder mit einer Karte, aber in einem anderen Ausschnitt oder Stil wieder beginnen. Beende ich einen Abschnitt mit untergehender Sonne, kann ich mit aufgehender Sonne aus einem anderen Winkel beginnen. Während bei Fotos Sonnenuntergänge oft verpönt sind, ist es beim Film immer wieder ein stilistisches Mittel, um von einem Tag zum Nächsten zu kommen. Denke an solche Sachen schon während der Reise und während des Filmens, denn das kann man schlecht in der Nachbearbeitung bereinigen. Einen Sonnenaugang kann ich nicht als Sonnenuntergang deklarieren und umgekehrt. Auch ein beliebter Schnitt für den Abschnittwechsel sind zwei aufeinanderfolgende Nahaufnahmen. Wenn ich mit Personen im Bild arbeite (Familienmitglieder, Reiseteilnehmer) dann eignet sich oft das Mittel eines Weggehens und wieder Kommens als zwei aufeinanderfolgende Aufnahmen für den Abschnittswechsel. Damit der Film interessant bleibt, kannst Du natürlich die verschiedenen beschriebenen Stilmittel variieren.

Stativ

Zum Thema Stativ gibt es unterschiedliche Meinungen. Einige Kameramänner können sich Naturaufnahmen von Seen, Tälern oder Bergen gar nicht ohne Stativ vorstellen. Ich sage Euch hier was anderes: Ich kann mir diese Aufnahmen verwackelt nicht vorstelle. Ob das Verwackeln nur durch ein Stativ eliminiert wird, ist relativ egal, denn es gibt andere Mittel. Wenn ich kein großes und schweres Stativ nicht mitschleppen will, kann ich auch ein kleines nehmen und dieses dann auf einen Stein, eine Bank oder etwas erhöhtes legen. Verbiegbare Stative im Stil vom Gorillapod eignen sich auch, ebenso ein Reissack, auf den ich die Kamera legen kann. Dann sind allerdings Schwenks streng verboten. Möchte ich schwenken, dann brauche ich ein großes Stativ mit einem Fluidkopf, sonst wird der Schwenk nicht gut aussehen. Da ich Zooms nur in Aufsnahmefällen mache, brauche ich auch nicht unbedingt eine Fernbedienung. Stehende Aufnahmen mache ich einfach länger, dann kann ich später den Anfangswackler vom Einschalten der Kamera wegschneiden.

Für verwackelte Aufnahmen gibt es auch noch einige Tricks, um diese nachträglich im Schnittprogramm zu eliminieren. Für die meisten Schnittprogramme gibt es Plugins zur "Beruhigung" der Aufnahmen, Mercalli von ProDAD ist das sicherlich am öftersten verwendete Plugin. Ein kostenloser Trick, ist es, die Aufnahme langsamer abzuspielen, also mit 50% oder 33,3% der ursprünglichen Geschwindigkeit. Das geht allerdings nur, wenn sich nichts oder wenig im Bild bewegt. Sind Personen im Bild, so wirkt das unnatürlich.

Zusätzlicher Dreh

Bei einer kompletten Reisedokumentation ist es oft der Fall, dass ich noch nachträglich Szenen drehe. Ich meine damit nicht, dass ich da nochmals hinfahre oder hinfliege, ich meine zusätzliches Material, dass ich am Anfang oder Ende einfügen kann. Ich habe ja schon über Karten geschrieben, die ich auch nachträglich aufnehme, um zu zeigen, wo ich war. Es gibt auch noch die Möglichkeit, dass ich Aufnahmen zuhause machen, wie ich oder wir die Reise planen. Also Reiseveranstalter aussuchen, Orte wo ich hinmöchte herauspicken, im Internet recherchieren usw. Das kann sein, dass ich da meine Frau einspanne, die dann aufs Wohnzimmersofa hinsetze und sie planen lasse. Das kann aber auch sein, dass ich eine Spielszene im Reisebüro mache, wo ich die Reise gebucht habe. Damit kann ich für andere Zuschauer durchaus meine Reise nochmals besser nachvollziehbar machen und habe dadurch auf noch einen Filmanfang, der die Zuschauer auf die Reise genauso einstimmt, wie es mich beim Aussuchen des Ziels oder beim Buchen tatsächlich auf die Reise eingestimmt hat.

Abschließend muss ich noch schreiben, dass viele dieser Tipps und Tricks für eine gute Reisedokumentation natürlich nicht nur auf die Gesamtdokumentation angewendet werden können. Auch wenn ich nur Einzelaspekte einer Reise dokumentiere, kann ich Vieles davon wiederverwenden. Im nächsten, dem dann dritten Teil der Serie kommen wir auf die Nachbearbeitung zu sprechen.

Serie: Guter Reisefilm – Teil 1: Einzelaspekte einer Reise

Autor Info's mit anzeigen Februar 23rd, 2012

In der Einleitung habe ich geschrieben, dass ein Reisefilm über einen Einzelaspekt einer Reise wesentlich einfacher ist. Aber warum eigentlich? Nun das kann man einfach nachvollziehen: Bei einer Komplettdokumentation einer Reise muss ich immer die Kamera dabei haben, muss ich immer aufpassen, ob es was Interessantes gibt, was man festhalten sollte. Später zuhause werden mich nämlich meinen Mitreisenden fragen: Warum hast Du das nicht? Das war doch interessant. Das hätte mich am Meisten interessiert. Natürlich gibt es immer die Möglichkeit, dass ich auch später aus einer Gesamtdokumentation einen Einzelaspekt herausgreife und daraus einen Film fertigstelle, dann sollte ich aber meinen Mitreisenden nicht mitteilen, dass ich eine Gesamtdokumentation mache.

Vorteile bei Einzelaspekten einer Reise

Einzelaspekte einer Reise zu dokumentieren hat also den Vorteil, ich muss nicht immer während der Reise meine Kamera dabei haben. Allerdings ergeben sich Einzelaspekte oft zufällig oder sogar ungewollt. Stell Dir vor, Du bist in einer Stadt unterwegs und triffst eine bekannte Persönlichkeit, die gerade eine Autogrammstunde gibt. Später ist es für Alle DAS Ereignis der Reise und Du hast es nicht drauf. Ich mache es oft so, dass ich meine Kamera dabei habe und halt nur Filme, wenn sich interessante Punkte ergeben.

Aber was heisst nun "Einzelaspekte" einer Reise? Das kann der Besuch einer besonderen Stadt während der Reise sein, das kann der Besuch eines besonderen Ereignisses sein, das kann ein spezieller Ausflug während der Reise sein oder halt irgendwas, was meine Aufmerksamkeit erregt und ich das so filmisch finde, dass ich darüber einen Film machen möchte. Beispiel: Wir waren mit meiner Frau zu einem Badeurlaub in Kroatien. Dort waren wir schon öfter und ich hatte keine Lust, dauernd meine Kamera dabei zu haben. Ich habe nur während einiger Ausflüge in verschiedene Städte, wie Trogir, Sibenik, Makarska oder Split gefilmt. Als Ergebnis sind daraus 4 kurze Filme entstanden, mit Aufnahmen aus der jeweiligen Stadt. Das war auch beim Nachbearbeiten viel einfacher, die einzelnen Filme sind nur 3-6 Minuten lang. Anderes Beispiel: Als wir am Strand entlang spazierengegangen sind, habe ich gesehen, dass dort immer wieder viele Krebse und auch Ameisen rumlaufen. Schon ist daraus die Idee eines Films über die bedrohte Ameise, der die Krebse und auch das Meer zusetzen. Ein kleiner 3 Minuten langer Film, der es dann sogar bis zur DAFF geschafft hat. Oder mein Film über Dealy Plaza in Dallas. Ich war auf Geschäftsreise und hatte meine Kamera mit dabei, aber ich wollte nur dort filmen, da mich der geschichtsträchtige Platz (Kennedy Attentat) interessiert hat. In diesem Fall habe ich mir schon eine Geschichte vorher überlegt und Archivmaterial gesammelt. Am Platz selber habe ich dann schließlich 5 Stunden lang gefilmt. Daraus ist dann mein Film "Deja Vu"  geworden.

Einzelaspekte einer Reise zu filmen, heisst also auch, dass ich mich auf diesen Einzelaspekt während der Reise konzentrieren kann. Für einen Tag oder einige Stunden bin ich dann konzentriert am Filmen. Dabei entstehen viele Aufnahmen, aus denen ich dann später beim Schneiden auch auswählen kann. Das Schneiden wird einfacher, der Film wird dann auch meistens kürzer als eine Gesamtreisedokumentation und damit für externe Zuschauer interessanter. Zum Schluss dieses Teils einige Beispiele für mögliche Filme über die Einzelaspekte einer Reise.

Beispiele für Einzelaspekte einer Reise:

  1. Eine interessante Stadt, die man während einer Reise besucht
  2. Ein Markt oder ein besonderer Platz in einer Stadt
  3. Ein besonderes Ereignis während der Reise
  4. Ein Ausflug während der Reise zu einem besonderen Ziel
  5. Ein Auftritt einer Musik- oder Tanzgruppe im Hotel oder während eines Ausfluges
  6. Ein Freiluftmuseum
  7. Ein Nationalpark

Serie: Guter Reisefilm – Einleitung

Autor Info's mit anzeigen Februar 22nd, 2012

Diese Artikelserie ist ganz speziell dem Reisefilm gewidmet. Was ist aber ein Reisefilm? Im Amateur- und Hobbyfilm ist es meistens die Dokumentation einer Reise, die ich unternommen habe. Was ist aber ein guter Reisefilm? Diese Frage werde ich versuchen in dieser Artikelserie zu beantworten.

Ich habe diese Serie in mehrere Artikel gegliedert:

1. Einleitung
2. Warum für den Anfang einen Einzelaspekt einer Reise dokumentieren
3. Die komplette Reisedokumentation
4. Nicht nur filmen, auch nachbearbeiten
5. Schritte zum fertigen Reisefilm

Ausserdem finden Sie hier auch ein Glossar mit den Begriffen, die in den Artikeln immer wieder verwendet werden.

Wir sind hier in der Einleitung, wo ich einige grundsätzliche Fragen zum Reisefilm klären will.
Die erste Frage bezieht sich gleich darauf: Mache ich den Film nur rein für mich und meine Familie, die dabei war oder möchte ich den Film evtl. noch mehr Leuten zeigen. Wenn ich den Film nur für mich mache, muss ich damit zufrieden sein, wenn ich den Film anschaue. Nur unbearbeitete Aufnahme direkt aus der Kamera oder vielleicht sogar dem Mobiltelefon wird nicht lange Spaß machen. Will ich den Film auch meiner Familie zeigen, die dabei war und will ich damit eine Erinnerung an unsere gemeinsame Reise haben, dann macht es auch nicht viel Spaß verwackelte Aufnahmen von Sehenswürdigkeiten zu haben. Will ich den Film auch noch Anderen zeigen, also z.B. der Reisegruppe, bei der ich dabei war oder auch meinen Bekannten, damit die sehen wo man war und sich evtl. Anregungen für ihren eigenen Urlaub damit holen wollen, dann sollte ich schon ein bischen Ansprüche an meinen Film stellen. Schließlich sind wir alle vom Fernsehen geprägt und dort sind in Reiseberichten auch keine verwackelten Aufnahmen von Smartphones zu sehen. Also sollte ich mir einige Gedanken vor der Reise machen, während der Reise, was ich filmen will und nach der Reise, wie ich die Ergebnisse präsentieren will. Wenn Du mir soweit folgen kannst, dann solltest Du weiterlesen, wenn Dir die verwackelten Aufnahmen vom Smartphone genügen und Du das auch von Anderen akzeptierst, dann ist hier schon Schluss.

Also willst Du doch mehr. Fangen wir also an.

Meine erste Entscheidung sollte sein, was ich eigentlich machen will:
1. Die komplette Reise dokumentieren (chronologisch oder in einer von mir gewählten Reihenfolge)
2. Einzelaspekte einer Reise dokumentieren: eine Stadt, eine Sehenswürdigkeit, ein Ereignis usw.

Diese Entscheidung muss ich nicht vorher treffen, aber spätestens während der Reise. Vorher sollte ich sie treffen, wenn ich von Anfang an dokumentieren will, also auch schon die Anreise. Ist das geklärt, so muss ich mich darüber Gedanken machen, in welcher Form ich die Reise dokumentieren will:

Die zweite Entscheidung
1. In der ICH Form, in dem ich das Erlebte aus meiner persönlichen Sicht beschreibe
2. In der MAN Form, in dem ich das Erlebte objektiv in der 3. Person beschreibe

Diese Entscheidung kann ich nach der Reise beim bearbeiten treffen.

Ich kann für den Anfang jedem den Tipp geben: Einen Einzelaspekt herausgreifen und diesen in der ICH Form beschreiben. Das ist auf jeden Fall für den Anfang einfacher. Deshalb greife ich das im nächsten Kapitel als Erstes auf.

Was sollte ich beachten, bevor ich die Reise antrete?
Naja, ich sollte auf jeden Fall eine Kamera haben, wobei es keine große Rolle spielt, was für eine Kamera. Auch ein iPhone 4S oder neue Kompaktfotokamera wie die Sony HX9V machen gute Filmaufnahmen, durchaus genügend für meinen Zweck. Ein Stativ dabei zu haben ist zwar gut, will ich aber nicht zu viel mitschleppen, dann tut es ein kleines Stativ, ein Einbeitstativ, ein Gorillapod oder auch ein Reissack. Alle diese Utensilien werden ihren Zweck, eine Aufnahme zu beruhigen, also nicht zu verwackeln, fördern.

Im Vorfeld der Reise sollte ich mir auch mal überlegen, was ich eigentlich filmen will. Sind es mehr die Sehenswürdigkeiten, sind es die Menschen, die ich unterwegs treffe, ist es die Familie, die ich verfolgen will, oder will ich eine Mischung aus Allem haben? Das wird sicherlich am abwechslungsreichsten sein. Allerdings macht es keinen Sinn, die Familie jedesmal vor jeder Sehenswürdigkeit wie ein Foto aufzunehmen. Wir werden das dann später erörtern, wenn es um die komplette Reisedokumentation geht.